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Äther über Sizilien - Frank Rowentas “Klänge Siziliens”

Posted in Aural, Interview by panorama @ Jun 20, 2007

Die sechs Titel auf Frank Rowentas “Klänge Sizilien” ergeben ein klangliches Reisetagebuch, das an Sommerurlaub erinnert und uns auch gerne wieder an den besuchten Ort - in der Fremde - zurückschickt. Zipp, der Reisverschluss des Reise-Rucksacks öffnet sich; du läßt die akustischen Erlebnisse rein und am Ende der Reise schließt du ihn wieder. Zuhause angekommen. Zapp, öffne den Reisverschluss und lausche.

Frank, du sagst: das „Klänge Siziliens Projekt hat als solches erst kurz vor der Veröffentlichung seine thematische Form angenommen. Die Stücke waren eigentlich nicht zur Veröffentlichung vorgesehen. Es handelt sich eher um Klangstudien.”

Was hat dich dazu gebracht, Sizilien “klangtechnisch“ zu untersuchen; und was war für dich das Resultat?
Die in Sizilien gemachten Aufnahmen sind eine Art akustisches Fotoalbum. Im Gegensatz zu Fotografien transportieren akustische Aufnahmen, ähnlich eines Filmes, mehr Aspekte und lösen stärkere Emotionen aus. Derartige Aufnahmen sind konkrete Ausschnitte aus der Zeit des Erlebens vor Ort. Losgelöst von den erlebten optischen Reizen eröffnen solche Aufnahmen ein reichhaltigeres Spektrum von Geschehnissen. Die Bearbeitung der Aufnahmen habe ich nicht in Hinblick auf eine Veröffentlichung gemacht. Das Ergebniss der fertigen Abmischungen brachte mich auf die Idee Marcus Obst zu kontaktieren und ihm das Material zum Anhören zu schicken.

Willst du mit den Stücken auf „Klänge Siziliens“ eine Geschichte erzählen ? Welche könnte es sein?
Zur Zeit der Aufnahmen habe ich Berichte über elektromagnetische Waffensysteme gelesen. Der Gedanke, dass der erlebte klare Himmel über mir Transportmedium für derartige Waffen ist, lies in mir die Idee wachsen die Szenerie akustisch darzustellen. Tatsächlich habe ich bei zwei Stücken mit Klängen gearbeitet welche eine subtile akustische Bedrohung suggerieren. Den Gegensatz der idyllischen Szenerie in einer alten sizilianischen Stadt und einer Bedrohung aus dem Äther wollte ich beschreiben.

Wie wichtig ist für dich die Kombination von konkreten Sounds (Fieldrecordings/Phonorecordings) und deiner eigenen Musik?
Hier kann ich eigentlich keine Grenze ziehen. Besagte Konkretsounds sind oftmals Gerüst und Stilmittel zugleich. Konkretes ist für mich oft der Denkauslöser aus dem Ideen entstehen. Beim Prozess der Bearbeitung eingefangener Klänge entsteht eigentlich schon das was man als eigene Musik bezeichnen kann, wenn man dies so will. Der Begriff „eigene Musik“ impliziert aber sowas wie eine musikalische Handschrift. Bei mir steht dass Konzept im Vordergrund, dies möchte ich mit entsprechenden Mitteln verwirklichen.

Hast du deine Feldaufnahmen bei “Klänge Siziliens” elektronisch transformiert?
Die Feldaufnahmen von Sizilien wurden lediglich klanggefiltert. Die elektronischen Klänge habe ich separat erzeugt und dazugemischt. Aufgenommen wurde in Sizilien mit einem analogen mobilen Kassettenrekorder und einem Stereo-Krawattenmikrofon.

Auf Grünrekorder erscheint nun “raumstudien #1″. Was erwartet uns klangtechnisch bei diesem Album (vielleicht im Vergleich zu “Klänge Siziliens”? Welchen Sinn ergibt deine (Raum-) Studie für dich selbst?

Im August erscheint bereits raumstudien #2. Die Raumstudienserie verbindet mehrere Grundgedanken. Zum einen wollte ich wissen inwieweit sich die Persönlichkeit eines Raumes überhaupt akustisch erfassen lässt. Zum anderen mit welchen Mitteln man eine Art „akustische Vermessung“ durchführen kann. Es ging weniger darum die Eigengeräusche eines Raumes aufzuzeichnen als vielmehr um eine akustische Fassbar-Machung der Architektur. Die beiden Rhytmusgeräte welche im Raum aufgestellt wurden sollten ähnlich eines Sonarsystems funktionieren.

Ich hänge der Vorstellung an, dass man mittels analoger Tonaufzeichnung mehr transportiert als lediglich die direkt kognitiv erfassbaren Geschehnisse. Diesem Gedanken anhängend, habe ich bewusst alte rauschstarke Bänder benutzt, es sollte gezeigt werden dass der Effekt sich auch bei niedrigem Qualitätslevel durchsetzt. Es ist erstaunlich welche Wirkung die fertigen Aufnahmen haben. Die Rhytmusgeber klacken betont leise im Raum um Echos zu vermeiden. Dies klingt in Bezug auf den Sonareffekt paradox ist aber für den Höreffekt wichtig. Eine deutlich hörbare Reflexion der Wände/Einrichtung hätte die gewünschte Wirkung boykottiert.

Das Ohr des Hörers muß sich selbst durch den Raum tasten. Beim entspannten Hören der Aufnahmen bekommt man ein Gefühl für den aufgenommenen Raum. Der beinahe konstante, sich kaum verändernde, Takt der beiden Rhytmusgeräte hat einen der Hypnose ähnlichen Effekt. Der Hörer entspannt sich zunehmend und kann sich durch den Raum fühlen.

Hast du in diesem Jahr weitere Veröffentlichungen geplant ?
Grünrekorder wird raumstudien #2 und raumstudien #3 jeweils als Doppel-CD rausbringen. Eine neue rowenta/khan CD ist gerade bei dom elchklang rausgekommen. Wsdp möchte ein altes Tape, welches Gregor Jabs und ich 1996 veröffentlicht hatten, als Vinylplatte wiederveröffentlichen. Mit Christian Larsgarden habe ich ein Werk namens „electromagnetic spheres“ fertiggestellt. Es handelt sich um eine reich instrumentierte, elegische Arbeit voll akustischer und elektronischer Melodien. Eine neue Grillhaus Platte wurde ebenfalls gerade fertiggestellt. Ganz im Fahrwasser der ersten LP ein psychedelic, easy listening Partykracher mit reichlich absurdem Humor und Krach.
Für die beiden letztgenannten Werke suche ich noch interessierte Labels, gerne verschicke ich Demos bei Interesse.

Frank, vielen Dank für das Interview!

# Klänge Siziliens ist auf field muzick erschienen, als Mini-CDr für 5,50 Euro plus Versand.
# Webseite von Frank Rowenta

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